Nachfrage prüfen

Gibt es für mein Angebot überhaupt Nachfrage? So kannst du die Nachfrage prüfen – in 30 Minuten

WordPress Webdesignerin Melanie von melaniemueller.design sitzt auf einem Sessel im Büro

Melanie Müller ist WordPress Webdesign Freelancerin aus Oberlungwitz bei Chemnitz und baut seit über zehn Jahren Websites für Selbstständige, kleine Betriebe und Vereine. Bis zu fünf Seiten WordPress Webdesign kosten pauschal 3.000 Euro, inklusive SEO-Fundament, KI-Optimierung und Geld-zurück-Garantie.
Gearbeitet wird deutschlandweit per Videocall, in der Region Chemnitz auch persönlich.

Du hast eine Idee, ein Angebot oder eine Dienstleistung, an die du glaubst. Vielleicht willst du dafür eine Website bauen lassen. Oder du hast schon eine – und es kommen einfach keine Anfragen. Und irgendwann schleicht sich diese eine Frage ein: Will das überhaupt jemand haben?

Die gute Nachricht: Das musst du nicht raten. Du kannst die Nachfrage prüfen, bevor du Zeit, Geld und Nerven investierst. Und zwar ohne teure Marktforschung, ohne Businessplan-Seminar und ohne Tool-Abo. Alles, was du brauchst, sind 30 Minuten, ein Browser und ein Zettel.

In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie das geht. Und ich erzähle dir, warum ich mir genau diese 30 Minuten selbst gewünscht hätte.

Warum ich diesen Check heute vor jedem Projekt mache

Bevor ich Websites für andere gebaut habe, hatte ich einen eigenen Onlineshop. Stoffe aus Deutschland. Ich war überzeugt von der Idee, habe Tage und Nächte in die Website gesteckt, Produkte fotografiert, Texte geschrieben, Social-Media-Beiträge erstellt.

Was ich nicht gemacht habe: geprüft, ob überhaupt jemand nach dem sucht, was ich anbiete. Und wenn ja, mit welchen Worten. Ich hatte keine Keyword-Recherche gemacht. Ich habe die fehlende Nachfrage nicht erkannt – sie war in meinem Kopf einfach da.

Erst später, als ich gezielt auf Begriffe gesetzt habe, nach denen Menschen wirklich suchen, kamen Rankings und Besucher. Da war aber schon viel Zeit und Energie verbraucht.

Aus meiner Zeit im Labor kenne ich einen einfachen Grundsatz: Erst wird das Versuchsprotokoll geschrieben, dann wird pipettiert. Bei Websites ist es genauso. Erst Nachfrage prüfen, dann bauen.

Was „echte Nachfrage“ eigentlich bedeutet

Bevor wir loslegen, eine kleine, aber wichtige Unterscheidung. Wenn deine Freundin sagt „Oh, das ist ja eine schöne Idee!“, ist das nett. Aber es ist keine Nachfrage.

Echte Nachfrage erkennst du daran, dass Menschen:

  • ein konkretes Problem haben, das sie lösen wollen,
  • aktiv nach einer Lösung suchen (bei Google, in Gruppen, bei Bekannten),
  • bereit sind, dafür Geld auszugeben – oder es bei anderen schon tun.

Genau diese drei Punkte prüfen wir jetzt. Nicht perfekt, nicht wissenschaftlich, aber ehrlich genug, um eine gute Entscheidung zu treffen.

Dein 30-Minuten-Fahrplan im Überblick

Stell dir einen Timer. Wirklich. Die Begrenzung hilft dir, nicht in Recherche-Löchern zu verschwinden.

MinuteSchrittWas du herausfindestWerkzeug
0–5Problem in Kundensprache aufschreibenWie deine Kunden ihr Problem selbst beschreibenZettel und Stift
5–12Google-CheckOb und wie Menschen danach suchenGoogle-Suche, Autovervollständigung, „Ähnliche Fragen“
12–17Trend-CheckOb das Interesse wächst, schrumpft oder saisonal istGoogle Trends
17–24Konkurrenz-CheckOb andere damit schon Geld verdienenGoogle, Google Maps, Branchenportale
24–28Community-CheckWelche Fragen und Frust-Punkte es wirklich gibtFacebook-Gruppen, Foren, Bewertungen
28–30Ergebnis festhaltenAmpel: los, nachschärfen oder umdenkenDeine Notizen

Schritt 1: Schreib das Problem in den Worten deiner Kunden auf (5 Minuten)

Das ist der Schritt, den fast alle überspringen. Und er ist der wichtigste.

Du denkst in deinen Fachbegriffen. Deine Kunden nicht. Eine Physiotherapeutin bietet vielleicht „manuelle Therapie“ an. Ihre Kunden googeln aber „Rücken tut weh nach Gartenarbeit“. Ein Verein spricht von „Mitgliedergewinnung“, der Interessent sucht „Sportverein für Erwachsene Anfänger Chemnitz“.

Schreib also auf:

  • Welches Problem hat dein Kunde, bevor er dich kennt?
  • Wie würde er es einer Freundin am Telefon beschreiben?
  • Was würde er in die Google-Suche tippen? Notiere mindestens fünf Varianten.

Wenn du schon Kunden hast: Erinnere dich an die ersten Sätze aus Erstgesprächen oder E-Mails. Das sind Gold-Formulierungen.

Checkliste: Kundensprache

  • Mindestens fünf Suchbegriffe notiert
  • Keine Fachbegriffe, die nur du verwendest
  • Mindestens ein Begriff mit Ortsangabe, wenn du regional arbeitest
  • Mindestens eine Frage-Formulierung („Wie…“, „Was kostet…“, „Wer hilft bei…“)

Schritt 2: Der Google-Check (7 Minuten)

Jetzt prüfst du, ob deine Begriffe in der echten Welt vorkommen. Dafür brauchst du kein teures Tool. Google verrät dir erstaunlich viel, wenn du genau hinschaust.

Die Autovervollständigung

Tippe deinen Begriff langsam in die Google-Suche und schau, was Google dir vorschlägt. Diese Vorschläge basieren auf dem, was Menschen tatsächlich suchen. Taucht dein Thema auf? Mit welchen Ergänzungen? „Kosten“, „in der Nähe“, „Erfahrungen“, „selber machen“?

„Ähnliche Fragen“ und verwandte Suchen

Schick die Suche ab und scroll durch die Ergebnisseite. Der Bereich mit den aufklappbaren Fragen und die verwandten Suchanfragen ganz unten zeigen dir, was die Menschen rund um dein Thema bewegt. Notiere dir jede Frage, die du beantworten könntest.

Die Ergebnisse selbst

Schau dir die ersten Treffer an. Sind das Anbieter wie du? Dann gibt es einen Markt. Sind es nur Lexikon-Artikel oder gar nichts Passendes? Dann suchen Menschen entweder anders – oder es gibt (noch) kaum Bedarf.

Wenn du tiefer einsteigen willst: Mit einem kostenlosen Google-Ads-Konto bekommst du im Keyword-Planer grobe Suchvolumen-Spannen. Für den 30-Minuten-Check reicht aber das Bauchgefühl aus den Vorschlägen völlig.

Checkliste: Google-Check

  • Autovervollständigung für jeden Begriff angesehen
  • Mindestens drei echte Kundenfragen notiert
  • Geprüft, wer auf Seite 1 steht (Anbieter, Ratgeber, Portale?)

Schritt 3: Der Trend-Check (5 Minuten)

Öffne Google Trends und gib deine zwei, drei stärksten Begriffe ein. Stell den Zeitraum auf fünf Jahre und die Region auf Deutschland – oder dein Bundesland, wenn du regional arbeitest.

Du siehst keine absoluten Zahlen, sondern das Interesse im Verlauf. Das reicht, um drei Dinge zu erkennen:

KurvenverlaufWas er bedeutetWas du daraus machst
Steigend oder stabilDas Thema ist gefragt und bleibt esGutes Zeichen – weiter zu Schritt 4
Wellen im JahresrhythmusSaisonale Nachfrage (z. B. Garten, Steuern, Weihnachten)Plane Website-Start und Werbung vor der Hochsaison
Stark fallendDas Interesse lässt nachPrüfe, ob es einen neueren Begriff gibt, der das ersetzt
Keine DatenZu wenig Suchanfragen für eine AuswertungBegriff umformulieren oder breiter fassen

Kleiner Tipp aus der Praxis: „Keine Daten“ heißt nicht automatisch „keine Nachfrage“. Gerade bei regionalen Dienstleistungen ist das Volumen oft zu klein für Trends. Dann zählt Schritt 4 umso mehr.

Schritt 4: Der Konkurrenz-Check (7 Minuten)

Viele erschrecken, wenn sie Konkurrenz finden. Dabei ist das eines der besten Zeichen, die es gibt. Konkurrenz ist der Beweis, dass Menschen für so etwas Geld ausgeben.

Viel kritischer ist es, wenn du gar keine Anbieter findest. Dann bist du entweder genial früh dran – oder es gibt einen Grund, warum das niemand macht.

So gehst du vor:

  • Google und Google Maps: Such deine Leistung plus deinen Ort. Wie viele Anbieter gibt es? Haben sie Bewertungen? Viele Bewertungen bedeuten viele Kunden.
  • Websites der Konkurrenz: Schau dir zwei, drei davon an. Welche Preise stehen dort? Was versprechen sie? Was fehlt dir als Kunde?
  • Bewertungen lesen: Gerade die Drei-Sterne-Bewertungen sind spannend. Dort steht, was Kunden sich anders gewünscht hätten. Genau da kannst du dich abheben.
  • Marktplätze: Bei Produkten lohnt ein Blick auf Etsy, eBay oder Kleinanzeigen. Gibt es verkaufte Artikel? Wie sind die Preise?

Checkliste: Konkurrenz-Check

  • Mindestens drei vergleichbare Anbieter gefunden (oder bewusst festgestellt: keine)
  • Preisspanne grob notiert
  • Mindestens eine Lücke oder Schwäche entdeckt, die du besser machen kannst

Schritt 5: Der Community-Check (4 Minuten)

Jetzt hörst du deinen zukünftigen Kunden beim Reden zu, ohne dass sie es merken. In Facebook-Gruppen, Foren, Elterngruppen, Vereinsforen oder in den Kommentaren unter Instagram-Beiträgen.

Such in zwei, drei passenden Gruppen nach deinem Thema. Achte auf:

  • Fragen, die immer wieder gestellt werden
  • Frust-Sätze wie „Ich finde einfach niemanden, der…“ oder „Hat jemand Erfahrung mit…“
  • Empfehlungen, die andere aussprechen – und warum

Ein einziger Beitrag mit 40 Kommentaren zu genau deinem Thema sagt dir mehr als jede Umfrage. Denn da reden Menschen über ein echtes Problem, nicht über eine hypothetische Idee.

Schritt 6: Ergebnis festhalten – die Nachfrage-Ampel (2 Minuten)

Jetzt wird es ehrlich. Schau auf deine Notizen und ordne dein Ergebnis ein:

AmpelWoran du es erkennstDein nächster Schritt
🟢 GrünGoogle schlägt deine Begriffe vor, es gibt zahlende Konkurrenz, in Gruppen wird danach gefragtLos geht’s: Website planen und die gefundenen Begriffe und Fragen direkt in die Texte einbauen
🟡 GelbNachfrage da, aber mit anderen Worten oder für eine engere ZielgruppeAngebot nachschärfen: anders benennen, Zielgruppe eingrenzen, regional fokussieren
🔴 RotKeine Suchvorschläge, keine Konkurrenz, keine Gespräche zum ThemaNicht aufgeben, aber umdenken: Mit fünf echten Menschen aus der Zielgruppe sprechen, bevor du baust

Rot ist übrigens kein Scheitern. Rot ist ein Ergebnis. Und zwar eines, das dir Monate Arbeit sparen kann. Ich hätte damals viel dafür gegeben.

Der Bonus-Test: Hol dir eine echte Zusage

Wenn deine Ampel auf Grün oder Gelb steht und du ganz sicher gehen willst, mach den härtesten aller Tests: Biete dein Angebot an, bevor alles fertig ist.

  • Erzähl in deinem Netzwerk konkret davon – mit Preis.
  • Stell eine einfache Seite mit einer Warteliste oder einem Anfrageformular online.
  • Frag zwei, drei Menschen aus deiner Zielgruppe direkt: „Würdest du das für X Euro buchen?“

Ein „Ja, wann kann ich starten?“ oder eine echte Anmeldung ist mehr wert als hundert Likes. Wenn niemand zusagt, ist das ein wichtiges Signal, an Angebot, Preis oder Formulierung zu feilen.

Was das Ganze mit deiner Website zu tun hat

Ganz einfach: Alles, was du in diesen 30 Minuten notiert hast, ist das Fundament deiner Website.

  • Die Begriffe aus der Autovervollständigung gehören in deine Überschriften.
  • Die Fragen aus „Ähnliche Fragen“ und den Gruppen werden zu deinem FAQ-Bereich und zu Blogartikeln.
  • Die Lücken bei der Konkurrenz werden zu deinem Versprechen auf der Startseite.
  • Die Saison aus Google Trends bestimmt, wann deine Seite live gehen sollte.

Eine Website, die auf echter Nachfrage aufbaut, muss nicht laut sein. Sie muss nur die Fragen beantworten, die deine Kunden ohnehin schon stellen. Genau so plane ich auch die Websites für meine Kundinnen und Kunden: erst verstehen, wonach gesucht wird, dann gestalten.

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst oder deine Notizen gemeinsam auswerten willst: Professionelle Unterstützung hier.

Checkliste: Nachfrage prüfen in 30 Minuten

  • Problem in Kundensprache formuliert (mindestens fünf Begriffe)
  • Google-Autovervollständigung und „Ähnliche Fragen“ ausgewertet
  • Google Trends für die stärksten Begriffe angesehen
  • Drei Konkurrenten inklusive Preise und Bewertungen geprüft
  • Zwei bis drei Gruppen oder Foren durchsucht
  • Ampel-Ergebnis notiert und nächsten Schritt festgelegt
  • Optional: eine echte Zusage eingeholt

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels sind allgemeine Empfehlungen aus meiner Praxis. Sie ersetzen keine individuelle Beratung, etwa durch eine Gründungsberatung, die IHK oder eine Steuerberatung.

FAQ

Reichen 30 Minuten wirklich, um die Nachfrage zu prüfen?

Für eine erste, ehrliche Einschätzung: ja. Du bekommst keine exakten Zahlen, aber ein klares Bild, ob Menschen nach deinem Thema suchen, ob andere damit Geld verdienen und welche Worte deine Kunden benutzen. Für größere Investitionen lohnt sich danach eine tiefere Analyse.

Brauche ich dafür kostenpflichtige Tools?

Nein. Google-Suche, Autovervollständigung, Google Trends und Google Maps sind kostenlos. Für Suchvolumen-Spannen kannst du den Keyword-Planer mit einem kostenlosen Google-Ads-Konto nutzen. Bezahlte Tools sind erst sinnvoll, wenn du regelmäßig Inhalte planst.

Ich habe keine Konkurrenz gefunden. Ist das gut oder schlecht?

Nein. Google-Suche, Autovervollständigung, Google Trends und Google Maps sind kostenlos. Für Suchvolumen-Spannen kannst du den Keyword-Planer mit einem kostenlosen Google-Ads-Konto nutzen. Bezahlte Tools sind erst sinnvoll, wenn du regelmäßig Inhalte planst.

Ich habe keine Konkurrenz gefunden. Ist das gut oder schlecht?

Meistens eher ein Warnsignal. Prüfe, ob deine Kunden das Problem mit anderen Worten beschreiben. Findest du dann immer noch nichts, sprich mit fünf Menschen aus deiner Zielgruppe, bevor du in eine Website investierst.

Was mache ich, wenn ich regional arbeite und kaum Suchdaten finde?

Bei regionalen Dienstleistungen sind die Suchvolumen oft zu klein für Tools. Dann sind Google Maps, Bewertungen der Konkurrenz und lokale Facebook-Gruppen deine besten Quellen. Viele Bewertungen bei Mitbewerbern in deiner Region zeigen dir zuverlässig, dass es Bedarf gibt.

Sollte ich die Nachfrage auch prüfen, wenn ich schon eine Website habe?

Unbedingt. Gerade wenn keine Anfragen kommen, liegt es oft nicht am Angebot, sondern an den Worten. Vielleicht beschreibst du deine Leistung anders, als deine Kunden danach suchen. Der Check zeigt dir, welche Begriffe in deine Texte gehören.

Wie oft sollte ich die Nachfrage prüfen?

Einmal gründlich vor dem Start, danach etwa einmal im Jahr oder wenn du ein neues Angebot planst. Suchverhalten verändert sich, neue Begriffe tauchen auf. Ein kurzer Check hält deine Website aktuell.

Kann ich mir bei der Auswertung helfen lassen?

Ja. Wenn du deine Notizen hast und nicht sicher bist, was sie für deine Website bedeuten, schauen wir sie gemeinsam an. Hier kannst du eine Anfrage stellen.

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